Jahresbericht Schneiderei 2009

Die Arbeit in der Schneiderei begann im Januar 2009. Die Leiterin des Projektes Christiane und die Ausbilderinnen Marcia und Davina bereiteten den Kurs vor, führten Gespräche mit den Bewerberinnen und stellten 2 neue Gruppen zusammen. Die lange und kontinuierliche Zusammenarbeit mit unseren Lehrern,  mit dem Ziel eine Optimierung der Ausbildung zu erreichen, wirkte sich von Beginn an sehr positiv aus. Der Kurs hat nun eine feste Struktur angenommen. Die Lehrpläne sind ausgereifter und so bleibt mehr Freiraum für die Probleme der Frauen und auch für die Kreativität.

Im Februar 2009 begann die Ausbildung mit 25 Frauen.  Im Mai erweiterte sich die Gruppe um einen jungen Mann.  Er brachte immense Vorkenntnisse und Fertigkeiten mit und bat mit Hartnäckigkeit darum, sein Wissen zu erweitern, so dass wir von unserem Grundsatz abwichen, nur junge Frauen auszubilden und diesem jungen Mann die Chance gaben sich weiterzubilden. Die anfängliche Skepsis schwand sehr schnell. Er brachte sehr viele neue Ideen mit und so begann bald ein Wettstreit zwischen ihm und den Frauen, der den Kurs insgesamt weiter voran gebracht hat. Er beendete die Ausbildung als Bester des Kurses. Trotz dieser guten Erfahrung, wird der Kurs in Zukunft  ausschließlich wieder jungen Frauen angeboten. Im Dezember 2009 beendeten insgesamt 22 Teilnehmer den Kurs.

Der Kurs wurde, wie auch in den letzten Jahren, in den theoretischen und praktischen Unterricht unterteilt. In den ersten Monaten überwog der  theoretische Unterricht. Neben Kostenkalkulationen und allgemeiner Mathematik, wurden die Frauen auch wieder mit den brasilianischen Gesetzen und Rechten vertraut gemacht. Mit unserem Partner, dem Rechtsanwalt Xisto, hatten sie einen kompetenten Lehrer.

Nach einer kurzen Testphase, wurden zwei Klassen gebildet, um den Vorkenntnissen und Fähigkeiten  der Frauen besser gerecht zu werden. Dieses System hat sich gut bewährt.

In diesem Jahr wurde ab August verstärkt dazu übergegangen, mehr Produkte für den Verkauf herzustellen und neue Märkte zu finden. In den letzten Jahren wurden die Produkte hauptsächlich in der Nähe der Favela verkauft.

Diese Strategie hat zwei Gründe. Unter den Frauen und den Lehrern besteht eine große Unsicherheit ihre Produkte auf größeren, höherwertigen Märkten anzubieten. Es bedarf einer ständigen Überzeugungsarbeit, dass die Gruppe mehr Selbstvertrauen gewinnt, damit sie es wagen, zumindest einen Teil ihrer Produkte  auf diesen Märkten anzubieten.

Der andere Grund ist, dass sich alle Frauen  noch in der Ausbildung befinden und die hergestellten Erzeugnisse noch nicht in allen Punkten eine hohe Qualität aufweisen. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Frauen sind sehr unterschiedlich, so dass nur ein kleiner Teil der hergestellten Produkte eine absolut einwandfreie Qualität aufweist. Eine Tatsache, die sich in jedem Kurs anders gestaltet.

Wir sind uns dieser Schwierigkeiten bewusst und arbeiten daran. Wir unterstützen die Frauen auf der Suche nach neuen Möglichkeiten ihre Waren zu verkaufen, was sich leider nicht so einfach gestaltet, da die Abnehmer eine kontinuierliche Qualität und auch Liefermenge erwarten, die wir nicht gewährleisten können. So werden wir weiterhin unseren Verkaufsstand auf dem Gelände der Kirche in der Nähe der Favela behalten und versuchen andere Wege zu finden, um das Projekt aus eigenen Mitteln mitzufinanzieren.

Die Schneiderei bietet einen kleinen Service an, um Reparaturarbeiten durchzuführen. Durch diese kleinen Änderungen im Lehrgang können die Frauen noch während des Kurses herausfinden, welche Tätigkeit ihnen besser gefällt: die Herstellung neuer Produkte oder die Reparatur- und Änderungsarbeiten. Die Mehrzahl der Frauen möchte sich auf Reparaturen und Änderungen spezialisieren. Sie sind zu schüchtern, um eigene Produkte anzubieten.

Zusammenfassend verlief die Ausbildung in diesem Jahr sehr zufrieden stellend. Die Ergebnisse der Abschlussarbeiten waren sehr gut.

Im November 2008 besichtigte der Bürgermeister unsere Projekte und hatte den Umzug in ein anderes Gebäude in Aussicht gestellt. Leider hat dies nicht geklappt und so sind wir weiterhin auf der Suche nach besseren Räumlichkeiten.